Fünfter November

5 11 2009

Schon Spätherbst. Abend, Bäume im Garten –
das Fenster voll schwarzer Gesten. Beredter.
Die abgezehrten Züge der Felder. Schlaff hängt der Horizont
von den ausgehungerten Stangen der Wege. Schon Spätherbst.

 Abend, eine Stimme: – Ohne ausgegangen zu sein, tratst du ein.
Jetzt triffst du keinen mehr, wirst aber alle sehen. –
Viel bleibt nicht zu tun – an den Zaun treten,
das Wasser wegstellen, im Finstern bleiben. Fünfter November

Petr Borkovec





Allerseelen

2 11 2009

Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,
Sie streuen heute Blumen blau und rot
Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.
Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.
O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,
Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.
Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,
Auch sieht man Lichter in die Irre gehn.
Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen
Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.
Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen
Und wunderlich zerstreut im Abendwind.
Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.
Erbarm’ dich Gott der Frauen Höll’ und Qual,
Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.
Einsame wandeln still im Sternensaal.

(Georg Trakl)





Ein alter Knochen

28 10 2009

Sieht so aus:

alter Knochen
Dass ich mittlerweile auch zu dieser Kategorie gehöre, wurde mir bewusst beim Lesen einer historischen Abhandlung über IT auf dem Blog von Ulf.

Der dann auch noch ein wenig darüber witzelte, dass mein Führerschein seit meinem letzten Umzug abgängig ist. Das hat mir nun keine Ruhe gelassen, zumal ich vor knapp 3 Wochen einen Kurz-Trip ins benachbarte Ausland unternommen habe und dachte, da wäre es wirklich besser, den Führerschein dabei zu haben. Also habe ich meine Bemühungen vertieft (in der IT würde man jetzt sagen den Such-Algorithmus verfeinert), und letztlich war die Suche auch erfolgreich. So sieht das Ding von vorne aus:

führerschein1

Und so die Innenseite:

führerschein2

Mann, waren das noch Zeiten. Ich war ein hoffnungsvoller junger Polizeibeamter, ab und zu hat mir auf der Straße noch eine Frau hinterher geschaut, mein Weltbild war weder eingetrübt noch allzu kritisch und das äußerte sich dann auch bei der Wahl meines ersten Autos:

Manta 

Ja, es war nicht nur ein Manta, er war auch noch weiß!
Bis auf den Heckspoiler, der war bei meinem Exemplar schwarz.

Nein, er hatte keinen Fuchsschwanz und ich war weder zu diesem noch zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Friseurin befreundet (Friseuse sagt man ja nicht mehr…)

Also lieber Ulf, jetzt bist Du dran.

Während ich in der nächsten Zeit deutlich kürzer treten werde.
Nicht, weil mir nach Extremcouching wäre, sondern weil mich momentan andere Dinge beschäftigen, so dass ich vorerst nur noch sporadisch bloggen werde.





Worte, nichts als Worte

28 10 2009

Worte

Bruni Kantz

Der ich ganz herzlich für dieses Gedicht danke.
Und für ihre Erlaubnis, es hier einzustellen.





Mein Speiseplan

28 10 2009

Zuerst

löffle ich die Suppe aus

die du mir

eingebrockt hast.

Danach lasse ich mir

deine Nähe schmecken,

trinke von deinem Lächeln

und koste

von deiner Schokoladenseite.

Genug habe ich damit

aber noch lange nicht.

Mein Appetit auf dich

ist unersättlich

(Ernst Ferstl)

 





Der Vollständigkeit halber…

28 10 2009

 

greenpeace

11gebot

 





28.10.09

28 10 2009

Wer sagt die ganze Welt sei schlecht,  
Der hat wohl nur so ziemlich recht.

Wilhelm Busch

 

 





Das Elfte Gebot

27 10 2009

Als nun der HERR niedergekommen war auf dem Feldberg, oben auf seinem Gipfel, berief er seinen Knecht Gernhardt hinauf auf den Gipfel des Berges, und Gernhardt stieg hinauf.

Da sprach der HERR: Ich bin der HERR, dein Gott, und habe seinerzeit vollkommen verschwitzt, meinem Knecht Moses das Elfte Gebot mitzugeben, als er vom Berge Sinal hinunter zum Volke stieg.

So nimm du es und geh hin und steig hinab und verkündige allem Volke das Elfte Gebot.

Und Gott redete nur diese Worte:
„Du sollst nicht lärmen.“

Und Gernhardt tat wie ihm geheißen und stieg hinab und sprach also zum Volk: Dies sind die Lärmvorschriften, die der HERR euch auferlegt hat:

Gesetze über reine und unreine Instrumente

Und der HERR redete mit Gernhardt und sprach zu ihm: Rede mit den Musikern und sprich: Das sind die Instrumente, die ihr spielen dürft in euren Wohnungen.

Alles, was Löcher hat oder Saiten unter den Instrumenten, das dürft ihr spielen, sofern ihr deutlich im Rahmen der Zimmerlautstärke bleibt.

Alle Instrumente aber, die geschlagen werden oder bei denen sich eure Backen blähen oder solche mit elektrischen Verstärkern, sollen euch unrein sein, und ihr sollt sie nicht spielen in euren Wohnungen.

Und diese sollt ihr verabscheuen unter den Instrumenten, daß ihr sie nicht spielet in euren Wohnungen,

denn ein Greuel sind sie: das Waldhorn, der Brummbaß und die Quetschkommode.

Vergehen gegen Ohr und Seele

So du in geschlossenen Ortschaften dein Autoradio einschaltest, so sollst du die Fenster und das Verdeck deines Wagens fest verschlossen halten.

Parkt jemand seinen Wagen, so soll er den Motor im Leerlauf nicht brummen lassen.

Ihr sollt nicht hupen.

Wer seinen Rasenmäher anwirft, der soll dies nur an Werktagen zwischen elf und dreizehn Uhr tun. Und er soll danach unrein sein bis an den Abend und weder eine Motorsäge anrühren noch einen Elektrobohrer noch eine Häckselmaschine noch alles, was Lärm macht.

Ihr sollt eure Bahnhöfe nicht mit Musik bedudeln. Unter Bahnhof aber verstehe ich jedwede Anlage zur Abwicklung des Personen und Güterverkehrs der Eisenbahn, an der Züge beginnen, enden, halten, sich kreuzen, sich überholen oder mit Gleiswechsel wenden können.

Dasselbe soll gelten für U Bahnhöfe, für S Bahnhöfe sowie für alle anderen Bahnhöfe, die Gleise haben. Die aber keine Gleise haben, sind Bus Bahnhöfe, und die sollen ebenfalls nicht bedudelt werden.

Bedudelt keine Flughäfen.

So jemand Tiere hält, welchen die Natur die Gabe verliehen hat zu lärmen, so soll er sie so halten, daß sie keinen Grund haben zu lärmen, oder so, daß ihr Lärmen nicht zu hören ist. Das gilt für Hunde und alles Getier, das den Mond anbellt oder auf Erden winselt, sowie für Papageien und alles gefiederte Volk, das da pfeift, wenn es tagt.

Ihr sollt die Hunde und die Papageien nicht bedrücken.

Wirst du sie bedrücken, und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören.

Dann wird mein Zorn entbrennen, daß ich euch züchtige, und ihr werdet um Gnade winseln und aus dem letzten Loch pfeifen.

Todeswürdiger Lärm

So ein Mann seinen fahrbaren Untersatz frisiert, auf daß der mehr Lärm mache, so ist er unrein.

Auch der Sattel, auf dem er reitet, wird unrein.

Und er und seine Maschine sollen dein Bann verfallen.

Fährt er aber fort, auf ihr herumzudüsen, so soll er des Todes sterben.

Die Moto Cross Fahrer sollst du nicht am Leben lassen.

So einer auf dem Wasser mit einem Motorfahrzeug herumdüst, und es erhebt auch nur ein Gestörter seine Stimme und saget: Ruhe dahinten!, so soll er sein Düsen unverzüglich und zu jeder Tageszeit einstellen.

In der Nachtzeit aber sollt ihr überhaupt nicht herumdüsen, und schon gar nicht auf dem Wasser.

Auch sollt ihr nicht am Himmel herumdüsen, denn ein Greuel sind mir das Sportflugzeug, die Ultraleichtmaschine und der Hubschrauber.

Und ich will sie alle abstürzen lassen, sobald auch mir ein Gestörter ausruft: Ruhe da oben!, und es kehrt keine Ruhe da oben ein.

Rettungshubschrauber aber will ich nicht abstürzen lassen.

Transportiert aber der Rettungshubschrauber jemanden, den ich habe abstürzen lassen, weil er gelärmt hat, so will ich auch den Rettungshubschrauber abstürzen lassen.

Von den Geräten

Und der HERR sprach mit Gernhardt und sprach also zu ihm: Rede mit deinen Leuten, aber schön ruhig, und sprich: Das sind die Gebote, die euch der HERR gibt für alles, was Knöpfe hat und Lärm erzeugt.

Ihr sollt bei der Aufstellung eurer Hi Fi Anlagen für eine gute Dämmung sorgen.

Ihr sollt nicht am Lautsprecher sparen, auf daß ihr eure Anlage schön leise stellen könnt.

Ihr sollt keine Radios mit euch tragen, so ihr den Fuß aus dem Hause setzt.

Ich aber sage euch: Und ob der was mithört!

Du sollst nicht tönen.

Macht euch nicht selbst zum Greuel an dem kleinen Gerät, das wummert, zirpt und dudelt, und macht euch nicht unrein an ihm, so daß ihr dadurch nicht unrein werdet.

Diese sollen euch in Bahnen und Bussen ebenfalls unrein sein unter den Piepsgeräten, welche Knöpfe haben und die man in die Tasche stecken kann: das Computerspiel, das Handy und der Laptop. Denn alles, was ihr Pieps beschallt, das wird unrein. Und alles Gerät, das gepiepst hat, soll man ins Wasser tun, es ist unrein bis zum Abend und danach unbrauchbar. In euren Wohnungen aber sollen diese Geräte nicht unrein sein.

Ersatzleistungen

Entsteht durch Lärm ein dauernder Schaden, so sollst du geben Lärmen um Lärmen, Ohr um Ohr, Ton um Ton, Krach um Krach. Wer aber fortfährt zu lärmen, der soll des Todes sterben, und seine Lärmquelle soll man steinigen.

Das ist das Elfte Gebot, das der HERR dem Gernhardt gebot für alles Volk auf dem Feldberg.

Robert Gernhardt





Die Wörter

27 10 2009

Sie sind wie ein Kristall,
die Wörter.
Einige, ein Dolch,
ein Brand.
Andere,
nur Tau.

Heimlich kommen sie, gefüllt mit Erinnerung.
Unsicher segeln sie:
Kähne oder Küsse,
die Wasser erzittern.

Hilflos, unschuldig,
leicht.
Gewebt sind sie aus Licht
und sind die Nacht.
Und selbst bleich
erinnern sie noch an grüne Paradiese.

Wer lauscht ihnen? Wer
sammelt sie ein, derart,
grausam, zerbrochen,
in ihren reinen Muscheln?

Eugénio de Andrade





27.10.09

27 10 2009

Leise Menschen, leise
Freundschaften, stille Worte,
stille Zeichen übertönen
lautstarkes Gerede, lautstarkes
Getue, überdauern die
Kurzlebigkeit
großer Versprechungen leerer
Gesten.

Margot Bickel