
Ein ernstes Thema.
Einer 2008 durchgeführten Studie der Universität Kiel zufolge veröffentlichen viele Jugendliche im Internet sehr freizügig persönliche Daten, ohne sich der Nachteile bewusst zu sein.
Für die Untersuchung wurden die Angaben von 1277 Jugendlichen aus dem Norden Deutschlands (Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen) ausgewertet. 86 Prozent erklärten, mehrmals die Woche oder täglich im Internet zu surfen. Drei Viertel haben einen eigenen Computer. Die durchschnittliche Nutzungsdauer unter der Woche beträgt mehr als zwei Stunden, an freien Tagen sogar drei Stunden. Drei Viertel der Befragten gaben an, in Internet-Foren, Chatrooms oder sozialen Netzwerken wie SchülerVZ oder Facebook aktiv zu sein.
Die Freigabe persönlicher Daten, die die Kontaktaufnahme in sozialen Netzwerken vereinfacht, birgt natürlich auch die Gefahr, Opfer von Beleidigungen oder Belästigungen zu werden. Die Studie berichtet, dass etwa die Hälfte der Befragten ein persönliches Foto online stellt, ein Viertel seine Adresse preisgibt und zwei Drittel das Geburtsdatum.
Gerade in sozialen Netzwerken würden häufig Gerüchte verbreitet, Geheimnisse verraten oder unvorteilhafte Fotos und Videos veröffentlicht. Solche Bloßstellungen seien von den Jugendlichen besonders gefürchtet. 22 Prozent der Befragten gaben an, dass schon einmal Unwahrheiten über sie im Netz verbreitet wurden. Etwa jeder Zehnte sei in den vergangenen drei Monaten im Internet in Verruf gebracht, jeder Fünfte beleidigt oder bedroht worden. 30 Prozent (Mädchen 38 Prozent) bekamen sexuelle Angebote. Dabei wurden in jedem fünften Fall reale Treffen angesprochen.
Eine neuere Studie unter 15.000 Personen in 11 europäischen Ländern belegt, dass knapp 80 % der Teenager soziale Netzwerke sehr aktiv nutzen, gleichzeitig aber große Wissenslücken beim Thema Onlinesicherheit und Schutz der Privatsphäre klaffen. Danach seien knapp zwei Drittel aller Teenager online schon von fremdem Personen kontaktiert wurden und – noch viel erschreckender – fast die Hälfte davon hat auch darauf geantwortet.
Über 40 % der befragten Kinder glauben, dass ihre Daten in sozialen Netzwerken absolut sicher sind.
Und nur ein Drittel der Eltern kontrolliert, was ihre Kinder im Internet machen. Ich muss gestehen, dass ich bisher nicht zu diesem Drittel gehöre. Vielleicht sollte ich das ändern. In der Zeit, die meine Kinder bei mir verbringen, nutzen sie nämlich aus, dass ihr Vater nicht kontrolliert und festlegt, welche Webseiten besucht werden dürfen, und welche nicht. Oder mit welchen Online Kontakten seine älteste Tochter kommunizieren darf und mit welchen nicht.
Vielleicht sollte er sich überhaupt mal ein wenig kritischer mit dem Thema soziale Netzwerke auseinandersetzen. Und auch mit dem Thema Bloggen.
Was sind das eigentlich für Menschen, die bloggen?
Gibt es den typischen Blogger?
Wohl nicht. Jedenfalls, wenn man einer 2006 von der Universität Bamberg in Zusammenarbeit der Agentur “Knallgrau” und zwei Blog-Plattformen durchgeführten Befragung Glauben schenkt. Mit 5.246 Personen, die bloggen bzw. gebloggt haben, die bis dahin größte Anzahl von Personen, die zu diesem Thema befragt wurden. Dabei stellte sich u. a. heraus, dass Blogger auch weiblich sind. Und die meisten Blogger der Umfrage zufolge „auch nicht in erster Linie die Welt verbessern, eine Gegenöffentlichkeit schaffen oder den besseren Journalismus produzieren”…sondern…“die dominierenden Motive sind Spaß und Freude am Schreiben.” Und weiter: „Drei Viertel der Befragten berichten Anekdoten oder Episoden aus ihrem privaten Alltag – aber immerhin 41 Prozent geben auch an, gelegentlich Kommentare zur politischen Situation in ihr Weblog zu schreiben.“
(http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,400154,00.html)
Tja, wenn Sie nicht in erster Linie die Welt verbessern oder eine Gegenöffentlichkeit schaffen wollen, was wollen Sie dann?
Vielleicht „investigative Mulitplikatoren“ sein?
Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Leipzig in Kooperation mit ask.com. Danach sind Blognutzer „vor allem Internet-Nutzer, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind.“ Wobei unter den mehr als 600 Befragten aus Deutschland 5 unterschiedliche Typen von Blognutzern auszumachen seien, die als „social networker“, “Selbstdarsteller”, „Wissensdurstige“ „Informationssucher” und “aktive Konsumenten” klassifiziert werden.
(http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Blogger-sind-investigative-Multiplikatoren-144577.html)
Einige interessante Ergebnisse liefert auch eine von den Firmen Infospeed und Interrogare im Auftrag der Fachhochschule Köln im Jahr 2009 durchgeführte Umfrage unter Bloggern und Foren-Betreibern. Rund ein Viertel aller Befragten wurde bereits von Unternehmen oder deren beauftragten Rechtsanwälten kontaktiert, um negative Aussagen “aus der Welt zu schaffen”. Ob sie angeschrieben wurden, hing sicher im Einzelfall auch davon ab, wie groß und mächtig die jeweilige Webseite ist. Bei sehr kleinen Blogs oder Foren fallen negative Beiträge weniger ins Gewicht, wenn sie von den Mitarbeitern der Firmen, die gezielt danach suchen, überhaupt gefunden werden. Bei 50% der Betroffenen landete die Angelegenheit sogar bei einem Rechtsanwalt, in 70% aller Fälle wurde die Beschwerde öffentlich im eigenen Blog bzw. Forum diskutiert. 1,1% gab an, schon sehr häufig eine Abmahnung erhalten zu haben, immerhin über 16% häufig und 14% nur ab und zu. Die Studie behandelt noch deutlich mehr Punkte, die ich jetzt nicht alle aufzählen möchte, sie kann als pdf-Datei hier heruntergeladen werden.
Während ich bisher jedenfalls davon ausgegangen bin, dass zu ausgiebiges Surfen im Internet eher dümmer macht als das Gegenteil, heben aktuelle Studien jetzt hervor, dass das gerade Teeanger durchaus schlauer macht und ihr Sozialverhalten durch soziale Netzwerke verbessert wird. Außerdem sei es durch die selbstgesteuerte Informationssuche im Netz möglich, tief in persönliche Interessengebiete wie etwa Astronomie oder exotische Sprachen einzusteigen.
Zu diesem Schluss kommt nicht nur eine neue Studie aus den USA, sondern auch eine der Universität Amsterdam.
(http://www.welt.de/webwelt/article5819011/Internet-bessert-Sozialverhalten-von-Jugendlichen.html)
Vielleicht ist die mögliche Verbesserung des Sozialverhaltens in sozialen Netzwerken ja der Grund dafür, dass Bloggen out ist. Und sich die Aktivität vieler Nutzer, gerade der Teenager, von den Blogs zu den sozialen Netzwerken verschiebt. Das ist das Ergebnis einer Studie Studie des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center. Danach ist das Zeitalter des Bloggens bald vorbei.
(http://www.sueddeutsche.de/computer/82/502318/text/)
Vielleicht aber auch nicht.
Denn dass soziale Netzwerke mehr ein Teenager-Phänomen sind als eine Domäne der erwachsenen Internetnutzer, ist schon länger bekannt.
Und dass Teenager eher zu Kurz- bzw. Kürzestnachrichten neigen, zum Teil unter völliger Vernachlässigung jeglicher Syntax-Regeln, weiß ich von meiner ältesten Tochter und unterstelle es dem Großteil aller Teenager.
Ob sich das ändert, wenn sie erwachsen sind oder ob es ein Generations-Phänomen ist, lasse ich mal dahin gestellt.
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