Archaischer Torso Apollos

9 02 2010

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.

(Rainer Maria Rilke, Frühsommer 1908, Paris )





Think B4 U Post

9 02 2010

Ein ernstes Thema.

Einer 2008 durchgeführten Studie der Universität Kiel zufolge veröffentlichen viele Jugendliche im Internet sehr freizügig persönliche Daten, ohne sich der Nachteile bewusst zu sein.

Für die Untersuchung wurden die Angaben von 1277 Jugendlichen aus dem Norden Deutschlands (Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen) ausgewertet. 86 Prozent erklärten, mehrmals die Woche oder täglich im Internet zu surfen. Drei Viertel haben einen eigenen Computer. Die durchschnittliche Nutzungsdauer unter der Woche beträgt mehr als zwei Stunden, an freien Tagen sogar drei Stunden. Drei Viertel der Befragten gaben an, in Internet-Foren, Chatrooms oder sozialen Netzwerken wie SchülerVZ oder Facebook aktiv zu sein.

Die Freigabe persönlicher Daten, die die Kontaktaufnahme in sozialen Netzwerken vereinfacht, birgt natürlich auch die Gefahr, Opfer von Beleidigungen oder Belästigungen zu werden. Die Studie berichtet, dass etwa die Hälfte der Befragten ein persönliches Foto online stellt, ein Viertel seine Adresse preisgibt und zwei Drittel das Geburtsdatum.

Gerade in sozialen Netzwerken würden häufig Gerüchte verbreitet, Geheimnisse verraten oder unvorteilhafte Fotos und Videos veröffentlicht. Solche Bloßstellungen seien von den Jugendlichen besonders gefürchtet. 22 Prozent der Befragten gaben an, dass schon einmal Unwahrheiten über sie im Netz verbreitet wurden. Etwa jeder Zehnte sei in den vergangenen drei Monaten im Internet in Verruf gebracht, jeder Fünfte beleidigt oder bedroht worden. 30 Prozent (Mädchen 38 Prozent) bekamen sexuelle Angebote. Dabei wurden in jedem fünften Fall reale Treffen angesprochen.

Eine neuere Studie unter 15.000 Personen in 11 europäischen Ländern belegt, dass knapp 80 % der Teenager soziale Netzwerke sehr aktiv nutzen, gleichzeitig aber große Wissenslücken beim Thema Onlinesicherheit und Schutz der Privatsphäre klaffen. Danach seien knapp zwei Drittel aller Teenager online schon von fremdem Personen kontaktiert wurden und – noch viel erschreckender – fast die Hälfte davon hat auch darauf geantwortet.

Über 40 % der befragten Kinder glauben, dass ihre Daten in sozialen Netzwerken absolut sicher sind.

Und nur ein Drittel der Eltern kontrolliert, was ihre Kinder im Internet machen. Ich muss gestehen, dass ich bisher nicht zu diesem Drittel gehöre. Vielleicht sollte ich das ändern. In der Zeit, die meine Kinder bei mir verbringen, nutzen sie nämlich aus, dass ihr Vater nicht kontrolliert und festlegt, welche Webseiten besucht werden dürfen, und welche nicht. Oder mit welchen Online Kontakten seine älteste Tochter kommunizieren darf und mit welchen nicht.

Vielleicht sollte er sich überhaupt mal ein wenig kritischer mit dem Thema soziale Netzwerke auseinandersetzen. Und auch mit dem Thema Bloggen.

Was sind das eigentlich für Menschen, die bloggen?

Gibt es  den typischen Blogger?

Wohl nicht. Jedenfalls, wenn man einer 2006 von der Universität Bamberg in Zusammenarbeit der Agentur “Knallgrau” und zwei Blog-Plattformen durchgeführten Befragung Glauben schenkt. Mit 5.246 Personen, die bloggen bzw. gebloggt haben, die bis dahin größte Anzahl von Personen, die zu diesem Thema befragt wurden. Dabei stellte sich u. a. heraus, dass Blogger auch weiblich sind. Und die meisten Blogger der Umfrage zufolge „auch nicht in erster Linie die Welt verbessern, eine Gegenöffentlichkeit schaffen oder den besseren Journalismus produzieren”…sondern…“die dominierenden Motive sind Spaß und Freude am Schreiben.” Und weiter: „Drei Viertel der Befragten berichten Anekdoten oder Episoden aus ihrem privaten Alltag – aber immerhin 41 Prozent geben auch an, gelegentlich Kommentare zur politischen Situation in ihr Weblog zu schreiben.“

(http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,400154,00.html)

Tja, wenn Sie nicht in erster Linie die Welt verbessern oder eine Gegenöffentlichkeit schaffen wollen, was wollen Sie dann?

Vielleicht „investigative Mulitplikatoren“ sein?

Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Leipzig in Kooperation mit ask.com. Danach sind Blognutzer „vor allem Internet-Nutzer, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind.“ Wobei unter den mehr als 600 Befragten aus Deutschland 5 unterschiedliche Typen von Blognutzern auszumachen seien, die als „social networker“, “Selbstdarsteller”, „Wissensdurstige“ „Informationssucher” und “aktive Konsumenten” klassifiziert werden.

(http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Blogger-sind-investigative-Multiplikatoren-144577.html)

Einige interessante Ergebnisse liefert auch eine von den Firmen Infospeed und Interrogare im Auftrag der Fachhochschule Köln im Jahr 2009 durchgeführte Umfrage unter Bloggern und Foren-Betreibern. Rund ein Viertel aller Befragten wurde bereits von Unternehmen oder deren beauftragten Rechtsanwälten kontaktiert, um negative Aussagen “aus der Welt zu schaffen”. Ob sie angeschrieben wurden, hing sicher im Einzelfall auch davon ab, wie groß und mächtig die jeweilige Webseite ist. Bei sehr kleinen Blogs oder Foren fallen negative Beiträge weniger ins Gewicht, wenn sie von den Mitarbeitern der Firmen, die gezielt danach suchen, überhaupt gefunden werden. Bei 50% der Betroffenen landete die Angelegenheit sogar bei einem Rechtsanwalt, in 70% aller Fälle wurde die Beschwerde öffentlich im eigenen Blog bzw. Forum diskutiert. 1,1% gab an, schon sehr häufig eine Abmahnung erhalten zu haben, immerhin über 16% häufig und 14% nur ab und zu. Die Studie behandelt noch deutlich mehr Punkte, die ich jetzt nicht alle aufzählen möchte, sie kann als pdf-Datei hier heruntergeladen werden.

Während ich bisher jedenfalls davon ausgegangen bin, dass zu ausgiebiges Surfen im Internet eher dümmer macht als das Gegenteil, heben aktuelle Studien jetzt hervor, dass das gerade Teeanger durchaus schlauer macht und ihr Sozialverhalten durch soziale Netzwerke verbessert wird. Außerdem sei es durch die selbstgesteuerte Informationssuche im Netz möglich, tief in persönliche Interessengebiete wie etwa Astronomie oder exotische Sprachen einzusteigen.

Zu diesem Schluss kommt nicht nur eine neue Studie aus den USA, sondern auch eine der Universität Amsterdam.

(http://www.welt.de/webwelt/article5819011/Internet-bessert-Sozialverhalten-von-Jugendlichen.html)

Vielleicht ist die mögliche Verbesserung des Sozialverhaltens in sozialen Netzwerken ja der Grund dafür, dass Bloggen out ist. Und sich die Aktivität vieler Nutzer, gerade der Teenager, von den Blogs zu den sozialen Netzwerken verschiebt. Das ist das Ergebnis einer Studie Studie des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center. Danach ist das Zeitalter des Bloggens bald vorbei.

(http://www.sueddeutsche.de/computer/82/502318/text/)

Vielleicht aber auch nicht.

Denn dass soziale Netzwerke mehr ein Teenager-Phänomen sind als eine Domäne der erwachsenen Internetnutzer, ist schon länger bekannt.

Und dass Teenager eher zu Kurz- bzw. Kürzestnachrichten neigen, zum Teil unter völliger Vernachlässigung jeglicher Syntax-Regeln, weiß ich von meiner ältesten Tochter und unterstelle es dem Großteil aller Teenager.

Ob sich das ändert, wenn sie erwachsen sind oder ob es ein Generations-Phänomen ist, lasse ich mal dahin gestellt.





09.02.2010

9 02 2010

Think before you post

(anlässlich des heutigen Safer Internet Day 2010)





Frucht-Zucht-Frucht

8 02 2010

 

Bananen, Melonen, Ananas – –.

Alle Früchte haben etwas –

Frei gesagt: Unanständiges,

Etwas Nuditätes an sich.

Darüber freue ich mich.

Denn das ist etwas Unbändiges.

Instinktiv oder auch bewußt

Haben wir alle daran unsre Lust.

Aber die darüber erschreckt sind,

Sich entrüsten und jemand verklagen,

Denen wollen wir andere sagen,

Daß wir schon lang nicht mehr a. A. geleckt sind.

Und das muß – wenn auch nur theoretisch –

Immer mal wieder auf Erden geschehn.

Sonst werden wir Mehlbrei und hyperästhetisch

Und werden rot, wenn wir Pfirsiche sehn.

- Joachim Ringelnatz -





Prominenten-Gedicht

7 02 2010

Kafka sprach zu Rudolf Steiner:
“Von euch Jungs versteht mich keiner!”
Darauf sagte Steiner: “Franz,
ich versteh dich voll und ganz!”

Steiner sprach zu Hermann Hesse:
“Nenn mir sieben Alpenpässe!”
Darauf sagte Hesse: “Steiner,
sag mal, reicht denn nicht auch einer?”

Steiner sprach zu Thomas Mann:
“Zieh mal dieses Leibchen an!”
Darauf sagte Mann zu Steiner:
“Hast du’s nicht ‘ne Nummer kleiner?”

Rilke sprach zu Rudolf Steiner:
“Keiner ist so klein wie meiner!”
Tröstend meinte Steiner: “Rainer,
meiner ist noch etwas kleiner!”

Beckmann sprach zu Rudolf Steiner:
“Wird mein Bild nicht immer feiner?”
Darauf knurrte Steiner: “Beckmann,
wisch den Unfug lieber weg, Mann!”

(Robert Gernhardt)





Zwei von John Keats

7 02 2010

La Belle Dame Sans Mercy

“Was ist dein Schmerz, o Rittersmann,
zu sein so bleich und so gering,
wo im verdorrten Schilf am See
kein Vogel singt?

Was ist dein Schmerz, 0 Rittersmann,
zu sein am See so bitterweh,
wo’s Eichhorn schloß den Eichelbau
vorm Winterschnee?

Ich seh die Lilie deiner Stirn
von Angst verheert im Fieberhauch
und deiner Wangen blasse Ros
erloschen auch.”

“Ich traf ein’ edle Frau am Rain,
die war so schön – ein feenhaft Bild,
ihr Haar war lang, ihr Gang war leicht,
und ihr Blick war wild.

Ich flocht ein Kränzlein für ihr Haupt,
und Gürtel und duftige Armgewind;
sie sah mich an, als liebte sie mich,
und seufzte so hin.

Ich hob sie auf mein schreitend Roß
und was ich sah, das war nur sie,
die mir zur Seit sich lehnt’
und sang ein Feenlied.

Sie suchte mir Würzlein süß im Gras
und Manna-Tau und Honigseim
und sprach, so wahr, wie ich’s verstand:
“Für immer dein!”

Sie führte mich in ihr Grottenhaus,
dort weinte sie und schluchzte sehr;
dort schloß ich ihr wild~wildes Aug
mit Küssen vier.

Da hat sie mich in Schlaf gewiegt,
da träumt ich – weh der Nacht voll Leid -,
da träumt ich, was ich immer träum
an des kalten Hügels Seit.

Sah Könige bleich und Königskind,
todbleiche Ritter, Mann an Mann;
die schrien: “La Beile Dame Sans Mercy
hält dich in Bann!”

Sah Lippen, die verschmachtet warn
und mir zur Warnung klafften weit,
und war erwacht und fand mich hier
an des kalten Hügels Seit.

Drum muß ich hier sein und allein
und sein so bleich und so gering,
wo im verdorrten Schilf am See
kein Vogel singt.” 

Ode auf eine griechische Urne

I

Du gänzlich unberührte Braut der Ruh,
Langsamer Zeit und Stille Pflegekind,
Des Walds Chronistin, wieviel süßer du
Geschichten ausschmückst als ein Vers ersinnt:
Welch Sage wird dich laubumsäumt umziehn,
Die Götter, Menschen oder beide zeigt,
In Tempe oder in Arkadiens Tal?
Welch Wesen sind�s? Welch Mädchen, abgeneigt?
Welch irre Jagd? Welch Kampf, um zu entfliehn?
Welch Pfeifen, Trommeln? Welches Bacchanal?

II

Gehört sind Klänge süß, doch ungehört
Noch süßer; drum spielt, Pfeifen, fort im Chor;
Nicht dem Gehörsinn, nein, von größrem Wert,
Dem Geist pfeift Lieder keiner Töne vor —
Du Jüngling, unterm Baum, kannst vom Gesang
Nicht lassen, noch kann je dies Laub verwehn;
Kühn Liebender, nie, nie gelingt dein Kuß,
Bist du dem Ziel auch nah — doch sei nicht bang:
Sie kann nicht gehn, und wird dir kein Genuß,
Liebst du doch ewig und bleibt sie so schön!

III

Ah! Glücks-, du Glücksgezweig, das nie verblüht,
Nie gilbt, noch je dem Frühling sich empfiehlt;
Und glücklicher Flötist, der, nimmermüd,
Für immer immerneue Lieder spielt —
Mehr Liebesglück! mehr Liebes-, Liebesglück!
Für immer zu genießen und stets warm,
Für immer keuchend und für immer jung —
Fern allem atmend menschlichen Geschick,
Dem Herzen voller Überdruß und Gram,
Der heißen Stirn und der verdörrten Zung.

IV

Wer sind die, um den Moosaltar gereiht?
Geheimnisvoller Priester, welchem Stein
Führst du die Färse zu, die aufwärts schreit
Und deren seidne Flanken Kränze weihn?
Welch kleine Stadt am Fluß oder am Meer,
Mit friedlichem Kastell am Berg erbaut,
Verließ dies Volk zu dieser frommen Stund?
Und, Städtchen, deine Straßen bleiben leer
Für immer — keiner, der uns anvertraut,
Weshalb, kehrt je zurück und nennt den Grund.

V

O Attische! Form schöner Art! im Bund
Mit Männern, Mädchen marmorn überdeckt,
Mit festgetretnem Laubgezweig im Rund;
Du Stille, die uns aus dem Denken schreckt
Wie Ewigkeit: Du kaltes Hirtenspiel!
Wenn uns das Alter fortrafft eines Tags,
Sollst du bestehn, von Leid, dem hier nichts gleicht,
Umringt, ein Freund dem Menschen, dem du sagst:
«Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit schön — soviel
Wißt ihr auf Erden, und dies Wissen reicht.»





Wünsch Dir was

5 02 2010

Wünsch dir was
sagte die gute Fee

Alt und weise
möchte ich werden
und unerschrocken

Eine eigensinnige Alte
mit silbernen Haaren
ohne Strümpfe
in lila Sandalen
Und Lachfalten
möchte ich haben
Ganz viele

Anne Steinwart





04.02.2010

4 02 2010

Männer wollen auf die Venus

und Frauen ein Mars.

(Richard David Precht)





03.02.2010

3 02 2010

Frauen sind für Männer immer ein Rätsel.
Das wäre weiter nicht schlimm.
Das Fatale ist nur, dass sie nicht das Rätsel ändern,
aber dauernd die Lösung dazu.

Erhard Blanck





Bindochschmiedworden

2 02 2010

werdeganginachtworten

schmiedwolltewerden
pferdfüsseschmied
dochumgangmitpferden
mithufenvermied

huftierkannmorden
vermittelshufhieb
bindochschmiedworden
versfüsseschmied

(Dadasius Lapidar)