Wo Meer und Himmel sich vereinen,
Erglänzt ein Segel, weiß und weit -
Was trieb es aus dem Land der Seinen?
Was sucht es in der Einsamkeit?
Es pfeift der Wind. Die Wellen drohen.
Es knarrt der Mast. Das Segel schwebt
Nicht vor dem Glück ist es geflohen.
Es ist nicht Glück, wonach es strebt.
Strahlt auch in Gold der Himmelsbogen,
Und glänzt auch noch so blau das Meer -
Das Segel lechzt nach Sturm und Wogen,
Als ob in Stürmen Ruhe wär.”
- Michail Lermontov
(Übersetzt von: Heinrich Greif)


Schön
wunderschön…..kommt gleich in mein Leporello
Danke!
@Erika:
Finde ich auch!
@Karin:
Bitte schön.
Ich fand, es war höchste Zeit für wenigstens ein kleines bisschen Lermontov auf diesem Blog.
Am Himmelsbogen erscheint ein Segel.
Verblichen sind seine Farben.
Hitze und Regen gaben den Segen.
Nun ist es erschlafft,
von den Jahren geschafft.
Glück heißt die Ladung .
Sie wird auf der Stelle gelöscht,
umgeladen und mit neuem
Winde verschickt.
Das Segel sucht nicht die Ruhe,
es sucht nach dem Leben.
Liebe Bruni,
das…lass ich jetzt einfach mal so stehen.
Ich finde die Übersetzung von B. Denken um einiges besser, ergreifender. Und außerdem ist sie dem Original viel näher.
Verloren glänzt in blauen Weiten
Ein Segel weiß in dunst’gem Schein.
Was sucht es nur in fernen Breiten?
Was ließ es Hort und Heim allein?
Es spiel’n die Wogen, Winde pfeifen,
Es jammert, ächzt und knirscht der Mast –
Doch, ach! nach Glück will es nicht greifen
Noch ihm entflieh’n in blinder Hast.
Tief unten schäumt lichtblau die Flut,
Hoch oben gleißen Sonnes Brände,
Doch sucht es mehr nach Sturmes Wut,
Als ob’s im Sturme — Ruhe fände.
Ruhe ist gleich Zufriedenheit, Hafen, Geborgenheit, Endlichkeit, Heimat.
Hin und her gewandert bin ich zwischen den beiden Übersetzungen und ich glaube, jeder Übersetzer gibt die eigenen Empfindungen mit hinzu, die sich in Kleinigkeiten äußern und doch wesentlich sind. Wichtig ist es, die Aussage des Gedichtes nicht zu verändern, aber schon die Aussage wird anders ausgelegt und wenn es nur eine Winzigkeit anders ist, ändert es schon.
Im Sturme Ruhe finden bedeutet meiner Meinung nach, daß hier noch so viel Ungereimtes der Klärung bedarf, daß die totale Flaute, die Ruhe, jetzt, zum jetzigen Zeitpunkt, falsch wäre. Es gibt noch Dinge, die verarbeitet werden müssen, also erst mal im Sturme „Ruhe“ finden … dann wird man weiter sehen …