Das weisse Segel

6 10 2009

Wo Meer und Himmel sich vereinen,
Erglänzt ein Segel, weiß und weit -
Was trieb es aus dem Land der Seinen?
Was sucht es in der Einsamkeit?

Es pfeift der Wind. Die Wellen drohen.
Es knarrt der Mast. Das Segel schwebt
Nicht vor dem Glück ist es geflohen.
Es ist nicht Glück, wonach es strebt.

Strahlt auch in Gold der Himmelsbogen,
Und glänzt auch noch so blau das Meer -
Das Segel lechzt nach Sturm und Wogen,
Als ob in Stürmen Ruhe wär.”

- Michail Lermontov
(Übersetzt von: Heinrich Greif)


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7 Antworten

6 10 2009
Erika

Schön :-)

6 10 2009
karin

wunderschön…..kommt gleich in mein Leporello

Danke!

6 10 2009
Michael

@Erika:
Finde ich auch! :-)

@Karin:
Bitte schön.
Ich fand, es war höchste Zeit für wenigstens ein kleines bisschen Lermontov auf diesem Blog.

6 10 2009
bruni kantz

Am Himmelsbogen erscheint ein Segel.
Verblichen sind seine Farben.
Hitze und Regen gaben den Segen.

Nun ist es erschlafft,
von den Jahren geschafft.

Glück heißt die Ladung .
Sie wird auf der Stelle gelöscht,
umgeladen und mit neuem
Winde verschickt.

Das Segel sucht nicht die Ruhe,
es sucht nach dem Leben.

7 10 2009
Michael

Liebe Bruni,

das…lass ich jetzt einfach mal so stehen.

4 11 2009
K89

Ich finde die Übersetzung von B. Denken um einiges besser, ergreifender. Und außerdem ist sie dem Original viel näher.

Verloren glänzt in blauen Weiten

Ein Segel weiß in dunst’gem Schein.

Was sucht es nur in fernen Breiten?

Was ließ es Hort und Heim allein?

Es spiel’n die Wogen, Winde pfeifen,

Es jammert, ächzt und knirscht der Mast –

Doch, ach! nach Glück will es nicht greifen

Noch ihm entflieh’n in blinder Hast.

Tief unten schäumt lichtblau die Flut,

Hoch oben gleißen Sonnes Brände,

Doch sucht es mehr nach Sturmes Wut,

Als ob’s im Sturme — Ruhe fände.

4 11 2009
bruni kantz

Ruhe ist gleich Zufriedenheit, Hafen, Geborgenheit, Endlichkeit, Heimat.

Hin und her gewandert bin ich zwischen den beiden Übersetzungen und ich glaube, jeder Übersetzer gibt die eigenen Empfindungen mit hinzu, die sich in Kleinigkeiten äußern und doch wesentlich sind. Wichtig ist es, die Aussage des Gedichtes nicht zu verändern, aber schon die Aussage wird anders ausgelegt und wenn es nur eine Winzigkeit anders ist, ändert es schon.

Im Sturme Ruhe finden bedeutet meiner Meinung nach, daß hier noch so viel Ungereimtes der Klärung bedarf, daß die totale Flaute, die Ruhe, jetzt, zum jetzigen Zeitpunkt, falsch wäre. Es gibt noch Dinge, die verarbeitet werden müssen, also erst mal im Sturme „Ruhe“ finden … dann wird man weiter sehen …

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