Auch diese Dämmerung haben wir verloren.
Niemand sah uns an diesem Abend, Hand in Hand,
während die blaue Nacht herabsank auf die Welt.
Von meinem Fenster aus sah ich
das Fest des Sonnenuntergangs auf den fernen Höhen.
Manchmal, wie eine Münze,
flammte ein Stück Sonne zwischen meinen Händen auf.
Ich dachte an dich, das Herz bedrückt
von jener Traurigkeit, die du an mir kennst.
Wo warst du da ???
Unter welchen Leuten ?
Was sprachst du ?
Warum überkommt mich schlagartig die ganze Liebe,
wenn ich traurig bin und dich ferne fühle ???
Pablo Neruda
Wenn Du mich vergißt
Ich möcht, daß Du
eines weißt.
Du weißt ja, wie das ist:
Betrachte ich
den kristallenen Mond, den roten Zweig
des säumigen Herbstes an meinem Fenster,
berühre ich
beim Feuer
die ungreifbare Asche
oder die runzligen Körper des Holzes,
bringt mich das alles zu Dir,
als wäre alles, was da ist,
Düfte, Licht, Metalle,
nichts andres als ein Schwarm kleiner Schiffe,
hinsegelnd zu Deinen Inseln, die mich erwarten.
Nun aber,
wenn Du allmählich aufhörst, mich zu lieben,
werde ich aufhören, Dich zu lieben, allmählich.
Wenn Du auf einmal
mich vergißt,
suche nicht nach mir,
denn ich werde Dich schon vergessen haben.
Scheint er Dir lang und irre lodernd,
der Fahnenwind,
der mein Leben durchweht,
und entscheidest Du Dich,
mich auszusetzen am Rand
des Herzens, in dem ich verwurzelt bin,
so bedenke,
daß am selben Tag,
zur selben Stunde,
ich die Arme erhebe
und meine Wurzeln sich aufmachen,
einen anderen Boden zu suchen.
Doch wenn Du
jeden Tag,
jede Stunde
empfindest, daß Du für mich bestimmt bist,
mit unverrückbarer Süße,
wenn jeden Tag
eine Blüte aufsprießt zu Deinen Lippen, um mich zu suchen,
ach, meine Liebe, ach, Meine,
so wiederholt sich in mir all dies Feuer,
und nichts erlischt in mir, nichts wird vergessen,
meine Liebe nährt sich von Deiner Liebe, Geliebte,
und solange Du lebst, wird sie in Deinen Armen sein,
ohne die meinen zu verlassen.
Pablo Neruda
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Und noch ein Buchtipp + dazu eine Leseprobe
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