Cornelia Funke und Friederike Mayröcker

3 09 2009

Was die beiden Damen sonst noch gemeinsam haben, weiß ich nicht so Recht, aber eins verbindet sie auf jeden Fall – sie wurden kürzlich mit bedeutenden Sprach- bzw. Literaturpreisen ausgezeichnet.

Cornelia Funke mit dem Jacob-Grimm Preis für Deutsche Sprache, der seit 2001 an Personen verliehen wird, die sich (wie ihr Namensgeber ;-) ) in besonderem Maße um die Anerkennung, Weiterentwicklung und Pflege des Deutschen als Kultursprache“ verdient gemacht haben.
Sie erhielt den Preis dafür, dass es in ihren Büchern „nicht nur auf eine spannungsreiche Handlung, sondern auch auf die sprachliche Form ankommt“ und sie „Freude am Spiel mit der Sprache nicht zuletzt an den Titeln ihrer Bücher und den Namen von Figuren ihrer Geschichten“ zeigt.

 Auch wenn ich keines ihrer Bücher gelesen habe, kann ich einen Teil dieser Aussage bestätigen. Als Vater zweier Mädchen bin ich öfters Mal in der Situation, mir Kinofilme anschauen zu „müssen“, bei denen ich von alleine nicht auf die Idee verfallen wäre, sie anzusehen. So haben mich meine Töchter u. a. auch in „Die Wilden Hühner“ und „Der Herr der Diebe“ geschleppt – und ich fand die Verfilmungen recht kurzweilig. ;-)

Friederike Mayröcker wurde mit dem Hermann-Lenz-Preis ausgezeichnet, der seit 1999 an deutschsprachige Schriftsteller verliehne wird. In ihrer Begründung erklärte die Jury, der u. a. der Schriftsteller Peter Handke angehört: „Die vielfach ausgezeichnete Autorin soll besonders für ihren zuletzt erschienenen Gedichtband, ‚Scardanelli’, geehrt werden, der auf einzigartige Weise die weitgespannte poetische Arbeit dieser Sprachkünstlerin zusammenfasst.“

Das sehe ich ganz ähnlich. Friederike Mayröcker gilt als eine der bedeutendsten österreichischen zeitgenössischen Lyrikerinnen. Sie verfasste auch Hörspiele, einige davon gemeinsam mit Ernst Jandl, mit dem sie von 1954 bis zu dessen Tod im Jahr 2000 zusammen lebte (eine Beziehung, die einige der schönsten Liebesgedichte hervorgebracht hat, die ich kenne).

Der Titel „Scardanelli“ ist Programm – er verweist auf die zweite Lebenshälfte des Dichters Friedrich Hölderlin. Dieser wurde 1806 in die Universitätsklinik Tübingen eingeliefert, Diagnose: „Wahnsinn“. Einige Wochen später wurde er einer Pflegefamilie anvertraut, da er als unheilbar krank galt und die Ärzte mit seinem baldigen Ableben rechneten. Was Hölderlin jedoch nicht daran hinderte, noch 36 Jahre lang zu leben und zu schreiben.
Für seine früheren Gedichte, die man ihm in dieser Zeit vorlegte, bestätigte er zwar die Autorschaft, meinte aber, der Name sei gefälscht:
„Ich habe niemals Hölderlin geheißen, sondern Scardanelli!“
Seitdem ist der Name mit Hölderlins Werk untrennbar verbunden.

Ich habe den Gedichtband der Mayröcker nur kurz in der Hand gehalten – und nur eines der 40 Gedichte gelesen, aber das animierte  mich schwer zum Weiterlesen:

„Ich möchte leben / Hand in Hand mit Scardanelli / das Lamm in meinem Bett / die Schäbigkeit meiner Zwischenzeit ekstatisch ahnungslos (ent- / flammt) wie damals als Vater mich fotografierte in meinem / weiszen Kleid und 1 Strähne Haar (hatte den Kopf gedreht) / ins Auge wehte -“

Da ärgert es mich schon ein wenig, dass ich einen Dokumentarfilm über sie verpasst bzw. überhaupt nicht mitbekommen habe, der Ende letzten Jahres in die Kinos kam: „Das Schreiben und das Schweigen. Die Schriftstellerin Friederike Mayröcker.“ Hintergrund: Die italienische Regisseurin beobachtete über Jahre hinweg die heute 84-jährige Schriftstellerin in deren Arbeitsalltag. Der mittlerweile so aussieht, dass sie sich, umgeben von unzähligen Manuskripten und Skizzen, radikal der Außenwelt entzieht, um sich still in ihre inneren Bilder zu versenken.

So, und jetzt eines meiner absoluten Lieblingsgedichte:

MANCHMAL BEI IRGENDWELCHEN ZUFÄLLIGEN BEWEGUNGEN

streift meine Hand deine Hand deinen Handrücken
oder mein Körper der in Kleidern steckt lehnt fast ohne es zu wissen
einen Augenblick gegen deinen Körper in Kleidern
diese kleinsten beinahe pflanzlichen Bewegungen
sein abgewinkelter Blick und dein Auge absichtlich ins Leere
wandernd
deine im Ansatz noch unterbrochene Frage wohin fährst du im
Sommer
was liest du gerade
gehen mir mitten durchs Herz
und durch die Kehle hindurch wie ein süszes Messer
und ich trockne aus wie ein Brunnen in einem heiszen Sommer

(Friederike Mayröcker)





Googeln bildet: The Spirit of Gammelfleisch

31 08 2009

Unter diesem Titel läuft momentan bei der Süddeutschen eine Abstimmung, mit der das hässlichste Plattencover der Welt gekürt werden soll. Auf die Abbildung des derzeitigen Spitzenreiters verzichte ich aus Gründen des Jugendschutzes, dafür das Foto von der derzeitigen Nummer 2:

Jesus use me

 

Ebenfalls bei der Süddeutschen gefunden – die 23 besten Männerwitze.

Kleine Kostprobe:

Ein Mann fährt mit dem Auto eine steile Bergstraße hinauf. Eine Frau fährt dieselbe Straße hinunter.
Als sie sich begegnen, lehnt sich die Frau aus dem Fenster und schreit: „Schwein!“ Der Mann schreit sofort zurück: „Schlampe!“
Beide fahren weiter. Als der Mann um die nächste Kurve biegt, rammt er ein Schwein, das mitten auf der Straße steht. Wenn Männer doch nur zuhören würden…

Eine kleine graue Zelle kommt zufällig in das Gehirn eines Mannes. Alles ist dunkel, leer und ohne Leben.
„Huhuuu“, ruft die Zelle. Keine Antwort. Sie ruft ein zweites Mal: „Huhuuu, ist hier denn niemand?“
Wieder bleibt alles ruhig. Da erscheint plötzlich eine andere graue Zelle und fragt: „Hey, was machst du denn hier oben? Komm doch mit, wir sind alle unten.“

Ebenfalls sehr nützlich: Die Fibel der Faxen, die erklärt, wie man seine Mitmenschen am besten in den Wahnsinn treibt. Da kann ich noch einiges lernen, zum Beispiel:

2. Schreiben Sie bei allen Schecks, die Sie ausstellen, unter „Verwendungszweck“: „Für sexuelle Dienstleistungen“.

3. Verlassen Sie Kopiergeräte stets auf 200 Prozent Vergrößerung, extra dunkel, DIN A3 und 99 Kopien eingestellt.

5. Wiederholen Sie folgende Konversation so oft es geht:
„Hörst du das?“
„Was?“
„Vergiss es, jetzt ist es weg.“

6. Sollten Sie ein Glasauge haben, klopfen Sie während Unterhaltungen gelegentlich mit dem Kugelschreiber drauf.

Glasauge

Okay, Schluss jetzt mit dem Unsinn, ich geh schlafen…





Inglorious Basterds

24 08 2009

Quentin Tarantino hat die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ein wenig umgeschrieben.

Ich denke, man muss seine Filme generell mögen, um diesen Film zu mögen.
Für mich waren die knapp 160 Minuten äußerst kurzweilig. Und was ich mir vorher nicht so Recht vorstellen konnte, weiß ich jetzt: Dass Brad Pitt durchaus in einen Film von Quentin Tarantino passt. Übertroffen wurde er allerdings von Christoph Waltz, dessen schauspielerische Leistung ich grandios fand.





Mir ist heute ein wenig nach…

23 08 2009





Mist, verpasst!

18 08 2009

Falscher Tag, falsche Uhrzeit.

Wie kann Arte eine solche Dokumentation nur an einem Montag senden.
Und dann auch noch um 10:40!

Peter Gabriel.
Der Mann ist für mich eine Legende. Seit den 70ern. Damals war eigentlich Led Zeppelin meine Lieblingsband, die waren so schön progressiv, aber das waren Genesis auch.

Und Genesis waren Peter Gabriel (bis zu seinem Weggang).
So wie sie nach seinem Weggang Phil Collins waren.

Wodurch mein Interesse an ihnen deutlich nachließ, während Gabriel bis heute für mich nichts an Ausdruckskraft verloren hat.

Diejenigen, denen es ebenso ergeht, werden jetzt vielleicht wie ich in den Videos schwelgen.
Während diejenigen, die das bislang nicht nachvollziehen konnten, es vielleicht im Anschluss können.

Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm… ;-)

Hier ein kleiner, nur annähernd repräsentativer Auszug seines Schaffens:





Immer wieder gut

4 07 2009

Ich komme gerade von „Rock im Park“.

Das letzte Stück, das ich da geöhrt habe war eine Cover-Version von „Nothing Else Matters“.

Und egal wie oft gecovert und bereits gehört, für mich ist es nach wie vor eines der schönsten Liebeslieder die ich kenne.





Sommersonnenwende

22 06 2009

Die längste Nacht des Jahres ist vorbei.
Ich habe sie mit Kultur auf dem Hof verbracht.
Nicht in Bochum, sondern in Dexheim.
Aber mit den Queenkings ;-)





Liebeslied

10 12 2008

 

Man muss schon Schnaps getrunken haben
Eh man vor deinem Leibe stand
Sonst schwankt man ob der trunknen Gaben
Von schwachen Knien übermannt

Oh du, wenn im Gesträuche kreisend
Der Wind die Röcke flattern läßt
Und man, das weiche Tuch zerreissend
Die Knie zwischen Deine presst

Den Abendhimmel macht das Saufen
Sehr dunkel, manchmal violett
Dazu dein Leib im Hemd zum Raufen
In einem breiten weißen Bett

Die Wiese schwankt nicht nur vom Trinken
Wenn man in Deinen Knien liegt
Der dunkle Himmel will versinken
Indem er sanft sich schneller wiegt

Und deine weichen Knie schaukeln
Mein wildes Herz in deine Ruh
Und zwischen Erd und Himmel schaukeln
Wir leicht geschwellt der Hölle zu

(Bertolt Brecht)

Ich habe überlegt, eine ganze Weile.
Weil es für manchen Geschmack vielleicht nicht unbedingt in die Vorweihnachtszeit passt.

Es passt allerdings wunderbar zu meiner Stimmung.

 

 

Hab so viele aktuelle Themen im Kopf, über die ich schreiben wollte. Was esse ich an Weihnachten (???), St. Kilian und der heilige Berg der Franken, Social Networks, die Grundüberzeugungen von Virginia Satir, die Bindungstheorie von Bert Hellinger, Pablo Neruda und seine Gedichte and so on.

 

Aber es hilft nix, die müssen warten. Weil – kaum dem Erkältungsfieber entronnen, bin ich schon wieder dem Brecht-Fieber verfallen.

 

Na, stimmt so nicht ganz, ich bin ja schon lange ein großer Fan von Brecht. Und von Rockmusik aus deutschen Landen. Deshalb fand ich den Hinweis auf eine Veranstaltung, die beides miteinander verknüpft, total spannend. Und hab beschlossen, hinzugehen. Gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen. Also war ich gestern Abend DA!

 

Was soll ich sagen. Es war ein EREIGNIS! Super unterhaltsam und gleichzeitig sehr bewegend. Was da unter dem Titel Emma rockt Brecht von der Thüringer Rockband Emma gemeinsam mit dem Regisseur Manfred Wekwerth, der Schauspielerin Renate Richter und dem Schauspieler Hendrik Duryn auf die Beine bzw. auf die Bühne gestellt wurde, fand ich umwerfend. Ich hätte nie gedacht, dass die Gedichte von Brecht so zeitlos sind. Und sich so gut „rocken“ lassen. Jeder einzelne Text (die überwiegende Mehrzahl in seinen Jugendjahren, so um 1920 herum verfasst), wirkte absolut aktuell. Ich hatte nie den Eindruck, dass hier etwas zur Musik passend gemacht bzw. die Musik zu den Texten geschliffen wurde., es wirkte einfach authentisch.

 

Ich weiß mittlerweile, dass sich so unterschiedliche Künstler wie Konstantin Wecker und Udo Lindenberg schon daran versucht haben. Na gut, letzterer hat ja nichts unversucht gelassen, ist selbst vor der Vertonung von „Über die Verführung von Engeln“ nicht zurückgeschreckt, ich glaube, sein Werk wurde sogar als Soundtrack für einen Film gleichen oder ähnlichen Titels verwendet. Und selbst wenn die von mir verehrten Doors oder auch David Bowie von Brecht inspiriert wurden (Alabama Song), sie hätten mich bestimmt nicht so beeindrucken können wie „Emma“ gestern Abend.

 

Klick it!

 

 

 

 

emma-rockt-brecht





JUGENDSTIL IN WIESBADEN

6 12 2008

 

 

In meinem Job habe ich viel mit alten Gemäuern zu tun, und mit der Zeit hat es mir der Jugendstil ein wenig angetan, obwohl ich früher für das Verspielte, Florale und Ornamentale dieser Epoche nicht viel übrig hatte. Insbesondere der Sprudelhof in Bad Nauhem hat dann jedoch mein Interesse geweckt (wer sich dafür interessiert, klickt hier: http://www.schloesser-hessen.de/schloesser/sprudelhof/sprudelhof.htm und/oder hier: http://www.bad-nauheim.de/tourismus_historiederstadt_jugendstilinbadnauheim.html).


Neben dem Sprudelhof habe ich bei dem Thema Jugendstil in meiner näheren Umgebung eigentlich immer nur an die Darmstädter Mathildenhöhe gedacht. Bis zur „Langen Nacht der Kirchen“ in Wiesbaden, die zum letzten Mal m September 2008, kurz nach meinem Umzug von Frankfurt nach Wiesbaden stattfand. Für mich eine schöne Gelegenheit, Wiesbaden von einer anderen Seite kennen zulernen. Als Einstieg in die Kirchen-Tour habe ich die Lutherkirche ausgewählt, eine evangelische Kirche in unmittelbarer Umgebung meiner Wohnung. Die ich von früher, als ich einmal einige Jahre in Wiesbaden wohnte, schon kannte. Fast täglich auf dem Weg ins Büro an ihr vorbeigegangen bin, mehr oder weniger achtlos. Ich staunte deshalb nicht schlecht, als ich das Innere dieser Kirche betrat. Es mutete auf den ersten Blick fast orientalisch an, wie in einer Beschreibung aus einem Märchen aus tausendundeiner Nacht. Nie zuvor habe ich eine Kirche gesehen, die so viel Farbigkeit und (trotzdem) gleichzeitig Festlichkeit ausstrahlt. Ich war so begeistert, dass es mich zum Abschluss der Tour noch mal dort hingezogen hat, als die Kirche mit Hunderten von Teelichtern beleuchtet wurde, auf der Empore und in den Gängen. Ein unvergesslicher Anblick, den ich gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen sehr genossen habe.

 

Bilder davon habe ich leider nicht, aber es gibt zumindest einige Aufnahmen bei Tageslicht…