Mein Speiseplan

28 10 2009

Zuerst

löffle ich die Suppe aus

die du mir

eingebrockt hast.

Danach lasse ich mir

deine Nähe schmecken,

trinke von deinem Lächeln

und koste

von deiner Schokoladenseite.

Genug habe ich damit

aber noch lange nicht.

Mein Appetit auf dich

ist unersättlich

(Ernst Ferstl)

 





Es war nicht der Wein

20 10 2009

Ich wurde trunken nicht vom Wein, den er
gereicht, ich wurd´s von seinen Blicken.
Es ist der Grund, daß ich der Müdigkeit
mich nicht gebeugt, sein Beugen über mich gewesen.
Es war´n des Trinkens Züge nicht, die mich
betäubten, seines Antlitz´ Züge warn´s.
Es war des Weines Wesen nicht, das mich
hinwiederum erfrischt, es war sein Wesen.
Was meinen Willen mir entwunden, war
die Windung seiner Schläfenlocken;
und was mir die Geduld entwandt,
ist das, was sein Gewand umhüllt, gewesen.

Abu Firas al-Hamdani





26.09.09

26 09 2009

Heute ist mir die Auswahl sehr schwer gefallen.

Seit Tagen gehen mir die Gänsevögel durch den Kopf.

Ich habe mich nun für den Schwan entschieden.
Und für ein besonders poetisches Zitat:

 
Der Liebe zwischen Fuchs und Schwan
Haftet ein stiller Zauber an.

Robert Gernhardt





Zwei besondere Gedichte

8 09 2009

An einem besonderen Tag.

Für einen besonderen Menschen.

kolibri

 

 

 

K O L I B R I

Angenommen ich sag Sommer,

schreib das Wort „Kolibri“,

steck es in einen Umschlag,

lauf den Berg runter und werf es

in den Briefkasten. Wenn du meinen Brief

öffnest, wirst du dich an jene Tage

erinnern und auch daran, wie sehr,

ja, wie sehr ich dich liebe.

(Raymond Carver)

 

Das graue Haar

Ein welkes Sommerblatt fiel mir zu Füßen.
- Dein erstes graues Haar. Es sprach zu mir:
Mai ist vorbei. Der erste Schnee läßt grüßen.
Es dunkelt schon. Die Nacht steht vor der Tür.

Bald wird der Sturmwind an die Scheiben klopfen.
Im Lindenbaum, der so voll Singen war,
Hockt stumm und düster eine Krähenschar.
Hörst Du den Regen von den Dächern tropfen ?

So sprach zu mir das erste graue Haar.
Da aber ward ich deinen Blick gewahr,
Da sah ich, Liebster, lächelnd dich im Spiegel.
Du nicktest wissend: Ja so wird es sein.

Und deine Augen fragten mich, im Spiegel,
läßt mich die Nachtigall im Herbst allein ?
Und meine Augen sagten dir im Spiegel:
Kommt, Wind und Regen, kommt ! Wir sind zu zwein.

Das graue Haar, ich suche es, im Spiegel.
Der erste Kuss darauf, dass war mein Siegel.

(Maschka Kaléko)





06.08.09

6 08 2009

„Die Liebe aber ist kein ängstlicher Vogel, der beim ersten Wedeln einer Hand das Weite sucht.“ – Rafik Schami





04.08.09

4 08 2009

Der Versuch, sich Liebe zu verdienen, sie zu erkämpfen, ist so hoffnungslos
wie der Versuch, einem Kaninchen das Gewichtheben beizubringen.

Ulla Meinecke





Fünf schlichte Gedichte zu einem komplexen Thema

1 08 2009

1

Über Liebe kann man nicht schreiben.
Man liebt oder lässt es bleiben.

In Worte lässt sich Liebe nicht fassen.
Man kann sie nur leben oder lassen.

Liebe entzieht sich dem Sagen.
Man hat nur die Wahl: Kopf oder Kragen.

2

Ich hab mir doch immer am besten gefallen.
Ich war mir doch immer der liebste von allen.
Aber nun?
Ich war mir doch immer besonders nah,
und auf einmal ist diese andere da.
Was tun?

3

Noch einmal eine Junge gefunden?
Dann sag der auch unumwunden:
Du liebst einen nicht mehr ganz jungen Mann,
also ran!

4

„Was hast du gemacht?“
“Ich habe geliebt.“
“Wie hast du geliebt?“
“Alla grande.
Groß war mein Einsatz,
größer mein Spiel –“
“Und am größten deine Schande.“
“Das ist auch wieder wahr.“

5

Worüber schreibst du denn da?
Ach, übers Lieben.

Worüber weinst du denn da?
Ach, übers Leben.

Worüber gehst du denn da?
Ach, über Leichen.

(Robert Gernhardt)





Wenn man jemanden liebt…

31 07 2009

Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die
ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die ganz gleiche
Weise.
Das ist unmöglich.
Es wäre sogar eine Lüge, wollte man diesen Eindruck
erwecken. Und doch ist es genau das, was die meisten
von uns fordern.
Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des
Lebens, der Liebe, Beziehungen.
Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns
erschrocken gegen die Ebbe.
Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren.
Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer;
und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der
Liebe liegt im Wachstum, im alltäglichen Auf und Ab –
in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern,
die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen
Bewegung sind.

(Anne Morrow Lindbergh)





29.07.09

29 07 2009

Tief geliebt werden, ist das Meiste auf der Welt. Es war Gottes unerreichbares Ziel.“

(Paul Valéry)





20.07.09

20 07 2009

Liebhaben können wir, wenn wir
wollen, sehr viele Menschen.
Lieben können wir nur wenige.

Ernst Ferstl